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Beschreibung der Pflegegrade

Nach dem Vorschlag des Beirats zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs sollen die drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade (Bedarfsgrade) ersetzt werden. Bundesgesundheitsminister und Pflegebeauftragter haben angekündigt, dass die Pflegegrade ab 2017 gelten sollen.
Bisher bestimmt der Zeitaufwand für einzelne pflegerische Hilfen über die Pflegestufe. Im neuen System wird das Ausmaß der Selbstständigkeit in der individuellen Lebensführung des Pflegebedürftigen beurteilt. Damit wird der Kern des Systems neu definiert: nicht mehr die Probleme, sondern die noch vorhandenen Möglichkeiten der Antragstellenden stehen im Mittelpunkt der Begutachtungen und der Pflegegrade.
Die Bestimmung der Pflegebedürftigkeit soll durch ein Neues BegutachtungsAssessment (NBA) erfolgen, welches sich in vier Abschnitte gliedert:

- Informationserfassung (allgemeine Angaben zur pflegebedürftigen Person, deren Einschränkungen, deren Pflegepersonen usw.)
- Befunderhebung (Gutachtende machen sich von der Situation ein eigenes Bild)
- Einschätzung der Pflegebedürftigkeit (mit acht Modulen)
- Ergebnisdarstellung und Empfehlungen (anhand des ermittelten Pflegegrads)

Die acht Module, anhand derer der jeweilige Pflegegrad festgestellt wird, sind:
1. Mobilität
2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
4. Selbstversorgung
5. Umgang mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
6. Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte
7. Außerhäusliche Aktivitäten
8. Haushaltsführung
Jedes Modul liefert ein Teilergebnis.

Zur Ermittlung der Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad) werden Punkte vergeben, die Teilergebnisse der Module 1 bis 6 sind unterschiedlich zu gewichten (multiplizieren) und dann zu einem Gesamtergebnis addiert. Ermittlung des Grads der Pflegebedürftigkeit:

0 bis 9 Punkte: Keine Pflegebedürftigkeit
10 bis 29 Punkte: Pflegegrad 1
30 bis 49 Punkte: Pflegegrad 2
50 bis 69 Punkte: Pflegegrad 3
70 und mehr Punkte: Pflegegrad 4
Pflegegrad 4 + besondere Bedarfskonstellation: Pflegegrad 5
Die Module 7 und 8 (außerhäusliche Aktivitäten und Haushaltsführung) werden gesondert berücksichtigt und dienen dazu, in ähnlicher Weise einen Grad der Hilfebedürftigkeit zu ermitteln. (1)
Heute finanzieren die Pflegekassen Pflegegeld, Sachleistungen, Beratung, Kurzzeitpflege, stationäre Versorgung, Betreuung, Sozialversicherung für pflegende Angehörige ... Es ist im Juni 2015 unklar, für welchen Pflegegrad, was und wie viel gezahlt werden wird.

Pflegegrade - Modul 2 - MindMapBis Juni 2015 konnten wir keine verbindlichen Äußerungen zu den Details von Begutachtung und Leistungen finden. Es scheint aber Konsens zu sein, dass auf den Arbeiten aufgebaut werden wird, die für den Umsetzungsbericht ans BMG (2009) veröffentlicht wurden.
Was sich daraus für das Modul 2: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten ergibt, ist auf dieser Grafik dargestellt.
Wingenfeld, Büscher und Gansweid beschreiben zu diesem Modul elf Items. Nur für die Items 1 bis 8 sollen Punkte vergeben werden, die für den Pflegegrad relevant sind. Es wären also im Modul 2 maximal 24 Punkte zu vergeben.

Gelegentlich war zu lesen, dass es bei Pflegegrad 1 keine regelmäßigen monatlichen Zahlungen geben soll.

2014 ist zu lesen, dass im NBA so genannte „Besondere Bedarfskonstellationen“ definiert seien. "Verhaltensauffälligkeiten mit Selbst- und Fremdgefährdung" führten danach automatisch zum höchsten Pflegegrad. (2) Im Juli 2015 ist unklar, ob dieser Ansatz weiter verfolgt werden wird.

Kommentar:
Es wird deutlich, dass sehr viele Details zu beurteilen sind. Auch wenn die Gutachtenden mit Übung, wie bisher in 20 bis 40 Minuten „durch kommen“, wird es Laien wie Pflegeprofis schwer werden, nach zu vollziehen welche Schritte zum festgelegten Pflegegrad führten. Wenn die ersten Klagen die Sozialgericht erreichen wird sich zeigen, wie verlässlich das ganze System ist.

Quellen
(1) Bericht des Beirats zur Überprüfung der Pflegebedürftigkeit, zitiert nach: "Weg von der Minutenpflege. Von Pflegestufen zu Pflegegraden", in: Online-Sammlung: "praxis-aktuell-magazin" mit Datum vom 30. November 2009, Download von www.aok-business.de im Dezember 2009.
(2) MDK Baden-Württemberg testet neue Form der Pflegebegutachtung, Pressemeldung vom 28. August 2014.
- Die Grafik ist bei www.pflegewiki.de veröffentlicht. Dort finden Sie auch die Informationen zum Copyright.