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13. November 2015
Aktuelle Informationen

Pflegegrade

Die Pflegereformen 2008, 2012 und 2015 haben einige wichtige Veränderungen für die Pflege in Deutschland gebracht.
Es wurde auch eine Absichtserklärung beschlossen:
Die bisherige Einteilung in die Pflegestufen 0, I, II, III und III+ soll aufgegeben werden. Dazu muss der Pflegebedürftigkeitsbegriff, auf dem die Pflegestufen basieren, überarbeitet werden.
Schon seit 2006 arbeiten PflegewissenschaftlerInnen an einem neuen Verständnis von Hilfe- und Pflegebedarf. Am 25. Mai 2009 wurde im Gesundheitsministerium ein Umsetzungsbericht vorgelegt, der beschreibt, wie die Konzepte zur Pflegereform umgesetzt werden könnten. Die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wollte eine „bessere Versorgung“, einen „Paradigmenwechsel“. In einem neu erdachten fünf-stufigen System, soll nicht mehr auf die Zeit der Helfenden fokussiert werden, sondern auf die Fähigkeiten der Pflegebedürftigen. Damit wäre es möglich die Bedürfnisse von Demenzkranken bei der Einstufung besser als bisher zu berücksichtigen.
Bundesgesundheitsminister Gröhe und Pflegebeauftragter Laumann haben angekündigt, dass die Pflegegrade ab 2017 gelten sollen.

Am 23. Juni 2015 berichtet der Trierische Volksfreund, das im Gesundheitsministerium der Gesetzentwurf für diese Pflegereform fertig geworden sei. Im August solle darüber im Kabinett abgestimmt werden. Erst in den Folgemonaten kann dann im Bundestag darüber beraten werden. Stefan Vetter weiß über Details zu Übergangsregelungen von Pflegestufen zu Pflegegraden und auch über Geldleistungen zu berichten.

Im Juli 2015 veröffentlicht der Deutsche Berufsverband Pflegeberufe (DBfK) eine Einschätzung zu den Pflegegraden: Wir begrüßen „die mit dem Pflegestärkungsgesetz II verknüpften Neuregelungen zum Pflegebedürftigkeitsbegriff sowie zum neuen Begutachtungsinstrument (NBA) ausdrücklich. 'In dem jetzt vorgelegten Referentenentwurf ist ein neuer, umfassender Ansatz von Pflege erkennbar. Das NBA steht für eine ressourcenorientierte und pflegefachlich fundierte Erfassung der Selbstständigkeit, unabhängig von körperlichen oder kognitiven Einschränkungen; dies bietet die Chance für einen Perspektivwechsel in der pflegerischen Versorgung', erklärt DBfK-Geschäftsführer Franz Wagner heute in Berlin. 'Gelingen kann dies allerdings nur, wenn nun auch eine in Quantität und Qualität angemessene Personalbemessung hinterlegt wird.'“

Kommentar
Im August 2014 läuft eine weitere Testrunde zum NBA. Details zu den dazu verwendeten Begutachtungsrichtlinien sind nicht zu erfahren. Zu wichtigen Fragen kann ich keine Antworten finden:
- Menschen mit Schwierigkeiten den Alltag zu organisieren sollen mehr Unterstützung bekommen - es ist immer noch offen woher das Geld dazu kommen soll. Wird Geld nur umverteilt?
- Fünf Pflegegrade bedeuten auch großen Schulungsbedarf, mehr Zeitaufwand um den Menschen zu erklären wie die Einteilung funktioniert, mehr Bürokratie. Werden die Pflegeeinrichtungen für den bürokratischen Mehraufwand entschädigt, oder bleibt irgendwie weniger Zeit für pflegerische Hilfen im Alltag?
- Das neue System wäre flexibler als das heutige. Welche Sicherungen gibt es, um zu verhindern, dass die Haushaltspolitiker die Ressourcen scheibchenweise kürzen?
- Das bestehende System könnte auch um Komponenten zur Berücksichtigung der Bedürfnisse von Demenzkranken erweitert werden. Rechtfertigen die Vorteile der neuen Pflegegrade den eheblichen Aufwand ihrer Einführung?

Georg Paaßen

Zu den größeren Reformschritten in der Pflegeversicherung haben wir jeweils eine Broschüre geschrieben. Diese und weitere Materialien finden Sie auf unseren Downloadseiten.
Umsetzungsbericht des Beirats zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs (Mai 2009) -pdf Datei.
MDK Baden-Württemberg testet neue Form der Pflegebegutachtung, Pressemeldung vom 28. August 2014.
NBA ist mit adäquater Personalbemessung zu hinterlegen, Pressemeldung des DBfK vom 14. Juli 2015.
Beschreibung der Pflegegrade